Du hast die Anleitung gefunden, aber nicht das Garn. Vielleicht ist es ausverkauft, vielleicht möchtest du eine andere Farbe, oder du hast ein Garn liegen, das du lieber verwenden willst. Du kannst es problemlos austauschen. Ob das Kleidungsstück so wird, wie es soll, hängt davon ab, ob du die Maschenprobe triffst.
Die Maschenprobe gibt an, wie viele Maschen und Runden du auf 10 cm bekommst. Alle Maße in einer Anleitung sind danach berechnet. Liegst du um eine Masche pro 10 cm daneben, wird ein Pullover schnell 8–10 cm zu weit oder zu eng.
Schau auf mehr als die Stärke
Zwei Garne können dieselbe Nadelempfehlung haben und trotzdem ganz unterschiedliche Kleidungsstücke ergeben. Vergleiche vor dem Kauf diese drei Angaben auf der Banderole:
| Worauf du schaust | Warum es wichtig ist |
|---|---|
| Lauflänge (Meter pro 50 g) | Sagt am meisten über die Stärke aus. Liegt das neue Garn innerhalb von 10 % des alten, bist du auf der sicheren Seite. |
| Faser | Wolle, Alpaka, Baumwolle und Mohair fallen unterschiedlich. Alpaka und Baumwolle sind schwerer und dehnen sich stärker in die Länge als Wolle. |
| Anzahl der Fäden in der Anleitung | Steht dort, dass zwei Fäden zusammen verstrickt werden, musst du mit beiden Fäden zusammen vergleichen. |
Die Nadelempfehlung auf der Banderole ist nur ein Ausgangspunkt. Entscheidend ist das Probestück.
Strick ein Probestück und miss es aus
Ein Probestück kostet einen Abend und erspart dir einen Pullover, der nicht passt. So gehst du vor:
- Schlag genug Maschen für 15 cm Breite an. Bei einer Maschenprobe von 12 Maschen auf 10 cm sind das 18 Maschen.
- Strick in dem Muster, das die Anleitung für die Maschenprobe angibt, meist glatt rechts. Strick, bis das Stück 15 cm hoch ist.
- Kette locker ab. Behandle das Stück so, wie du das Kleidungsstück behandeln wirst, damit es sich setzen kann.
- Leg das Stück flach hin, ohne es zu dehnen. Steck zwei Nadeln im Abstand von 10 cm mitten in das Stück, weg von den Rändern.
- Zähl die Maschen zwischen den Nadeln. Mach dasselbe senkrecht für die Runden.
Strickst du das Kleidungsstück in Runden, kannst du auch das Probestück in Runden stricken. Viele stricken rechte Maschen etwas lockerer als linke, deshalb kann ein hin und her gestricktes Stück einen anderen Wert ergeben.
Wenn der Wert nicht stimmt: Nadel wechseln
Triffst du die Maschenprobe nicht, passt du die Nadel an, nicht die Maschenzahl in der Anleitung.
- Zu viele Maschen auf 10 cm: Du strickst fester als die Anleitung. Nimm eine Nadelstärke größer.
- Zu wenige Maschen auf 10 cm: Du strickst lockerer. Nimm eine Nadelstärke kleiner.
Strick nach jedem Nadelwechsel ein neues Probestück. Gib den Maschen in der Breite Vorrang. Die Runden kannst du meist ausgleichen, indem du nach Maß strickst statt nach Rundenzahl.
Der Maschenprobenrechner zeigt dir, ob du eine andere Nadel brauchst, wenn du die Maschen aus dem Probestück eingibst.
Musst du mehr als zwei Nadelstärken größer oder kleiner gehen, ist das Garn zu dick oder zu dünn für die Anleitung. Dann wird das Kleidungsstück steif oder löchrig, auch wenn die Zahlen stimmen, und du wählst besser ein anderes Garn.
Mohair und zwei Fäden zusammen
In vielen meiner Anleitungen wird Mohair zusammen mit einem anderen Faden verstrickt. Das Mohair gibt den Schimmer und den weichen Fall, der andere Faden gibt Gewicht und Form. Tauschst du einen davon aus, veränderst du beides.
Willst du mit einem Faden statt mit zwei stricken, such ein Garn mit ungefähr derselben Gesamtstärke. Berechne die Lauflänge für zwei Fäden so:
1 / L = 1 / L₁ + 1 / L₂
L₁ und L₂ sind die Meter pro 50 g für jeden Faden. Beispiel: Mohair mit 225 m und Wolle mit 100 m pro 50 g ergeben zusammen etwa 69 m pro 50 g. In der Nähe dieses Werts sollte das neue Garn liegen.
Du erreichst die Maschenprobe, aber nicht unbedingt dieselbe Oberfläche. Ein glatter Einzelfaden ergibt ein klareres Maschenbild als Mohair, und das Kleidungsstück liegt enger am Körper an. Strick das Probestück und fühl es an, bevor du dich entscheidest.
Berechne, wie viel Garn du brauchst
Rechne in Metern, nicht in Gramm. Zwei Garne mit demselben Gewicht können sehr unterschiedlich lang sein.
- Multipliziere die Anzahl der Knäuel in der Anleitung mit der Lauflänge des Garns aus der Anleitung. Dann hast du die Meter insgesamt.
- Teile durch die Lauflänge des neuen Garns.
- Runde auf ein ganzes Knäuel auf.
Beispiel: Die Anleitung verwendet 8 Knäuel à 100 m, also 800 m. Das neue Garn hat 125 m pro Knäuel. 800 geteilt durch 125 ist 6,4, also kaufst du 7 Knäuel.
Der Garnrechner rechnet das für dich aus.
Kauf alle Knäuel aus derselben Partie. Farben können von Partie zu Partie leicht abweichen, und das sieht man an einem fertigen Kleidungsstück.
Ein anderes Garn ergibt ein neues Kleidungsstück
Wenn du das Garn wechselst, machst du deine eigene Version. Farbe, Fall und Oberfläche gehören dir. Solange die Maschenprobe stimmt, werden die Maße dieselben wie in der Anleitung.
Du musst nicht von Hand rechnen. In den Rechnern in Knittipedia gibst du die Zahlen aus dem Probestück und von der Banderole ein, und die Seite rechnet den Rest aus. Teil gern deine Version mit #cosymonday.
Viel Erfolg <3
Anne-Turid